Region
09.11.2020
Unverpackt-Laden öffnet im Hofgut Habitzheim
Bei „Emmas Erben“ Christiane Dittel und Julia Wardin gibt es alles lose oder direkt zum Selbstabfüllen

Von Dorothee Dorschel

HABITZHEIM. Hell und freundlich präsentiert sich der Verkaufsraum. Einladend, fast familiär, „so richtig zum Wohlfühlen“, wie ein Kunde zur Eröffnung sagt. Als Tante „Emmas Erben“ haben Christiane Dittel und Julia Wardin am Wochenende im Otzberger Ortsteil Habitzheim den ersten Unverpackt-Laden im Landkreis eröffnet. „Endlich“ sagt eine Kundin beeindruckt, „darauf habe ich so lange gewartet“. Sie entpuppt sich als erfahrene Käuferin in Unverpackt-Läden, von denen es in der Region bisher nur in Darmstadt einen gibt. Die Otzbergerin wird auf der Suche nach Reinigungsmitteln fündig, die sie aus großen Spendern in die mitgebrachten Flaschen füllt.

Zu haben ist in dem Geschäft im Hofgut Habitzheim fast alles. Alles außer Plastik und alles, was im Mehrweg- statt im Einwegsystem erhältlich ist, beziehungsweise gar nicht verpackt. Waren lose und einzeln wie einst im Tante-Emma-Laden gilt es einzukaufen, ganz nach Bedarf und nur die Menge, die wirklich gebraucht wird. Ob Lebensmittel – viele aus regionaler Herstellung –, Öle, Essige und Gewürze, Tee und Kaffee, Molkereiprodukte sowie Wasch- und Putzmittel, alles gibt es im Pfandglas oder kann in der gewünschten Menge in mitgebrachte Behälter abgefüllt werden.

Durch bewussteres Einkaufen, so die beiden Gründerinnen, welche ihren Laden als Teil der Zero-Waste-Bewegung verstehen, könne ein Leben weitgehend ohne Müll funktionieren. Ihnen geht es darum, Alternativen zu Plastik und Wegwerfartikeln anzubieten und damit den Haushaltsabfall zu reduzieren. Dass es sich bei allen Produkten um hochwertige Bioqualität handelt, versteht sich fast von selbst.

Auch wenn es mit dem Computersystem noch etwas hakt, sind die beiden jungen Frauen sehr glücklich über diesen gelungenen Auftakt. „Es war schon recht viel los. Die Reaktionen waren durchweg positiv, die Leute fühlen sich wohl.“ Dass dieser ansprechende Laden gemütlich sei und sauber, ist zu vernehmen. Auch die Übersichtlichkeit wird gelobt „und dass es so aufgeräumt ist“. Eine Kundenfrage nach Dosenwurst muss hingegen verneint werden. „Die ist ja das Antiprodukt“, sagt Julia Wardin. Genauso wie mehrfach verpackte Fertigprodukte.

„Schleppend“ läuft laut Julia Wardin dagegen das Crowdfunding, mit dem die beiden Frauen, die nicht nur ihr Herzblut, sondern auch ihr Erspartes in den Laden gesteckt haben, einen Bankkredit überflüssig machen möchten. Fast 7000 Euro der angestrebten mindestens 10 000 Euro waren am Wochenende erreicht. Noch bis zum 30. November besteht die Möglichkeit für all jene, die sich für das Projekt begeistern, den Unverpackt-Laden auf der Internet-Plattform „startnext.com“ gegen ein kleines „Dankeschön“ finanziell unterstützen.

Bei strahlendem Sonnenschein gestaltet sich am Samstag sogar das Warten im idyllischen Hofgut als gar nicht so schlimm. In den Laden hinein dürfen nämlich derzeit nur jeweils sechs Personen. Die kommen zur Eröffnung nicht nur aus Habitzheim, sondern auch aus Langen, Frankfurt und Griesheim, werden herzlich begrüßt und gern beraten. Alles soll für den Kunden so angenehm wie möglich sein, finden Christiane Dittel und Julia Wardin.